14 Februar 2018

Ein abgefahrener Roman über die 90er-Jahre

Es gibt immer wieder Bücher, die ich mir kaufe, die dann aber in einem Stapel versacken. So geschah es mit »Zeitgeist«, einem Roman des amerikanischen Schriftstellers Todd Wiggins. Das Buch erschien 1996 in den USA, wurde 1999 in deutscher Sprache veröffentlicht und von mir etwa im Jahr 2000 gekauft.

Seither nahm ich es immer wieder in die Hand, wollte es lesen und legte es wieder weg. Weil ich es aber cool fand, gab ich es nie in eine Büchersammlung, sondern behielt es. Bis ich es dieser Tage dann doch auspackte ...

Um es vorwegzunehmen: Sicher muss man »Zeitgeist« nicht gelesen haben. Der Roman spielt mit popkulturellen Themen, zeigt ein breit angelegtes Bild der Vereinigten Staaten und erzählt vor allem eine ziemlich abgefahrene Geschichte, die – streng genommen – eigentlich Science Fiction ist. Die Ereignisse, die in diesem Buch nämlich für Ende 1999 prognostiziert werden, haben so nie stattgefunden, spielen also in einem parallelen Universum mit unterschiedlicher Geschichte.

Die Handlung läuft auf zwei Ebenen ab: Die eine ist die einer ich-erzählenden Edelprostituierten, die eigentlich Schriftstellerin werden wollte – sie erzählt die andere Handlung. In dieser sind vier unterschiedliche Menschen auf dem Weg von New York nach Kalifornien: ein schwarzer Hacker, ein britischer Journalist, eine kampfbegeisterte Lesbe und ein durchgeknallter Pfarrer.

Auf ihrem Weg erleben sie allerlei schräge Dinge, stoßen auf fanatische Christen und werden am Ende von der Polizei gejagt. Dazwischen paaren sich abgefahrene Dialoge, viele Schießereien und der Beginn eines Aufstandes der Afroamerikaner. Und wem das nicht reicht, bekommt noch reichlich abgefahrene Szenen, die man sich in einem »verdrogten« Film gut vorstellen kann.

»Zeitgeist« ist ziemlich cool. Aber es leuchtet ein, dass aus diesem Roman kein Bestseller werden konnte: Streckenweise wirkt er ein wenig wirr, manchmal hätte man ihn kürzen sollen, vor allem bei einigen ausufernden Dialogen, und ob die ausführliche Schilderung einer Vergewaltigung wirklich sein musste, möchte ich bezweifeln. Aber wer sich auf die schrägen Gedankenbilder einlässt, die Todd Wiggins in seinem Roman erzeugt, kommt sicher auf seine Unterhaltung.

Das Problem dürfte sein, diesen Roman irgendwo zu bekommen. Seit 2000 ist eine lange Zeit vergangen, und er dürfte auch »aus zweiter Hand« nur schwer zu finden sein. Wer ihn in die Finger bekommt, sollte zugreifen und einen Blick riskieren.

Er wird mit einem außergewöhnlichen Roman belohnt, der die 90er-Jahre in einem anderen Blick erscheinen lässt. Ich bin mir übrigens noch nicht ganz sicher, ob ich ihn ins Science-Fiction-Regal oder zur Popliteratur stellen soll ...

Fuchtelnder Redakteur

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Die Autorenkonferenz ist für die Schriftsteller, mit denen ich seit Jahren zusammenarbeite, und für mich als Redakteur schon immer eine gute Gelegenheit, Ideen auszutauschen, konstruktiv zu streiten und gemeinsam in die Zukunft zu blicken. Es gehört zur guten Tradition, zu vorgerückter Stunde noch mit dem einen oder anderen Getränk an der Bar zu sitzen. Wobei heutzutage viel weniger Alkohol getrunken wird als früher ...

Das Bild zeigt mich im Gespräch mit drei Autoren; es wurde am späten Dienstagabend aufgenommen. Was genau ich mit meiner Handbewegung sagen möchte, weiß ich leider selbst nicht – es ging sicher nicht um eine Größenangabe. Wahrscheinlich fuchtelte ich einfach in der Gegend herum, im steten Bemühen, meine Geschichten durch wilde Gesten zu unterstreichen.

Auf dem Bild sieht man übrigens die Autoren Uwe Anton (links mit Mütze), Christian Montillon (halb verdeckt) und Kai Hirdt (rechts im Bild). Offensichtlich mache ich mit den Händen etwas, das sie fasziniert; sie schweigen und wirken fast andächtig. Es kann aber auch sein, dass sie kurz vor dem Einschlafen sind, weil ich langweiliges Zeugs erzähle ...

13 Februar 2018

Fasching im Jahr 2018

Seit im Sommer 2017 für uns das »normale« Fernsehen abgeschaltet wurde, haben wir kein Fernsehprogramm mehr. Wir gucken uns DVDs an und streamen ab und zu etwas. Das hat mittlerweile Auswirkungen, auf die wäre ich früher nicht gekommen. In diesen Tagen fällt mir eines ganz besonders auf.

Ich bekomme von Fasching oder Karneval oder Fasnet nichts mit. Früher konnte man dem bunten Treiben nicht entgehen, weil es in den Nachrichten kam oder eine Sondersendung nach der anderen gezeigt wurde. Jetzt erfahre ich davon ein wenig aus der Zeitung, oder ich höre davon, sehe vielleicht mal ein Plakat an der Straße – das war's.

Keine Pappnasen mehr zur besten Sendezeit. Keine singenden und schunkelnden Besoffenen. Keine albernen Witze mit »Tärä«-Getröte. Nichts dergleichen.

Und ich stelle fest, dass ich schlagartig tolerant werde. Ich schimpfe nicht mehr über Fasching, ich finde es auf einmal gar nicht mehr schlimm. »Aus den Augen, aus dem Sinn« – zum wiederholten Mal stelle ich fest, wie schön es sein kann, keinen Fernseher zu haben oder zumindest kein aktives Programm.

12 Februar 2018

Drei Kinder auf einem Floß

Aus der Serie »Dorfgeschichten«

Wir waren zu dritt auf dem Floß; langsam bewegten wir uns voran. Ausdauernder Regen hatte dem Tümpel im Gelände der alten Lehmgrube viel Wasser hinzugefügt, so dass ein See entstanden war, der den Kindern unseres Alters als großzügiger Raum für Abenteuer diente. Und so hatten wir die Chance genutzt, dass einmal keine Zehn- oder Elfjährigen unterwegs waren, und hatten uns auf das Floß gestellt.

Vorsichtig stakten wir durch den See. Wir benutzten alte Dachlatten, die jemand in das Gelände geschleppt hatte. Das Floß bestand aus Brettern und Kanthölzern, darunter hatte jemand große Styroporblöcke geklemmt. Es war eine wackelige Angelegenheit, und wenn man nicht aufpasste, kippte man ins schmutzige Wasser – aber man konnte damit fahren.

Wir hörten ein Auto, das sich näherte. Es fuhr an den oberen Rand des Geländes; dort stieß der See an den Rand des Waldes. Das Auto hielt an, jemand stieg aus. Kurz erschraken wir, dann aber beruhigten wir uns. Es war kein Erwachsener, der uns anschreien wollte. Wäre das so gewesen, hätte er sich mit energischen Schritten auf uns zubewegt.

Die Erwachsenen wussten von dem See und dem Floß und den Kämpfen, die wir auf den wackeligen Dingern und am See austrugen. Aber sie schienen solche Ereignisse auszublenden.

Wenn sich Kinder gegenseitig ins Wasser stießen oder die Gesichter mit Lehm einschmierten, war das ihr Problem. Kamen sie schmutzig heim, gab's eine Tracht Prügel, zu Beginn der 70er-Jahre in allen Haushalten, die ich kannte, eine gängige Praxis, über die sich niemand aufregte.

Wir hielten mit dem Floß an der Stelle an, wo der See einen Knick hatte. Vorsichtig spähten wir um die Ecke, hinter der Steilwand aus Lehm und Steinen versteckt. Über uns neigten sich einige Bäume bedenklich in die Tiefe; wenn es bald wieder regnete, würde sicher einer von ihnen nach unten rutschen.

Wir sahen einen Mann in Arbeiterkleidung: Latzhose, Pullover, Stiefel, eine Mütze auf den grauen Haaren. Ich kannte ihn, es war der alte Mattes aus unserer Nachbarschaft. Er trug einen Sack in der Hand. Vorsichtig näherte er sich dem Ufer des Sees. Man merkte, dass er sich nicht gut auskannte – als Erwachsener wusste er nicht, auf welche Steine man zu treten hatte.

Als er das Ufer erreichte, hielt er inne, nahm den Sack am oberen Ende. Etwas schien sich darin zu bewegen.  Er hob ihn hoch über seinen Kopf und schmetterte ihn auf Stein, einmal, zweimal, dreimal. Dann nahm er den Sack am anderen Ende, schüttelte ihn und ließ seinen Inhalt ins Wasser fallen.

Atemlos sahen wir dem Mann zu. Wir blieben hinter der Kante, bis er zu seinem Auto gegangen und weggefahren war. Von unserer Position aus sahen wir das Auto an uns vorbeirollen. Dann stakten wir zu der Stelle hinüber, an der vorher der Mann gestanden war.

Im schlammigen trieben die zerschmetterten Körper von vier kleinen Katzen. Wir starrten darauf, wir sagten kein Wort. Dann stakten wir zurück zu der Stelle, wo das Floß leicht ans Ufer gezogen werden konnte. Niemand sagte etwas.

So begann für mich der Sommer 1972.

09 Februar 2018

Vorlesetexte zum Selbstlesen

Ich habe Volker Strübing noch nie live gesehen. Der Mann ist vor allem auf Lesebühnen und bei irgendwelchen Festivals unterwegs, bei denen er auftritt und seine Texte zum Besten gibt. Mit der Bemerkung »Du liest doch auch mal etwas Witziges« bekam ich sein Buch »Ein Ziegelstein für Dörte« in die Hand gedrückt.

Streng genommen ist es kein Buch: Es ist eine Sammlung mit Kurzgeschichten, dazu gibt es eine CD, die allerlei Hörbeispiele enthält. Und ich stelle fest: Der Mann ist auf der Bühne sicher eine Wucht; hat man die CD gehört, lesen sich die Kurzgeschichten ganz anders.

Strübing macht das, was viele Kabarettisten machen: Er erzählt aus seinem angeblichen Leben, nimmt also Dinge aus der Wirklichkeit und verfremdet sie. Das ist zum Schreien komisch, wenn er beispielsweise von einer Bahnfahrt berichtet, die er durch allerlei Skurrilitäten bereichert, oder wenn er von seiner Vorliebe für »Fleischsalat« erzählt.

Nicht alle Witze funktionieren, manche sind vor allem nur live wirklich gut. Zum Selbstlesen taugen seine Vorlesetexte auch: Ich las das Buch nicht am Stück, sondern nahm mir immer mal wieder eine seiner Kurzgeschichten vor.

Fast schon Phantastik-Charakter hat dabei der Text-Zyklus »Ein deutsches Leben«, der mit »Treibgut auf dem Meer der Einsamkeit (1971 – 84)« beginnt und sich bis in die aktuelle Zeit erstreckt. Immerhin war seine Kindheit sehr traurig und bestand »aus feuchten Wänden und trocken Brot«. Entsprechend abstrus lesen sich die weiteren Texte aus seinem fiktiven Leben.

Der Humor ist schwarz, manchmal ein wenig daneben, nicht immer politisch korrekt, meist aber mit einem gelungenen Blick auf allzumenschliche Probleme. Ich habe das Buch sehr gern gelesen, glaube aber, dass der Autor vor allem live überzeugt.

(Wer einen Vergleich sucht: Die »Känguru«-Bücher von Mark-Uwe Kling sind vor allem dann klasse, wenn man den Autor einmal live gesehen hat, funktionieren aber darüber hinaus ebenfalls sehr gut. Die Strübing-Texte sind nicht so gut, machen aber ebenfalls Spaß.)

Deutschsprachiger Humor also, mehr Comedy als Kabarett, nicht unbedingt tagespolitisch, sondern eher »alltagskulturell« – Volker Strübing werde ich mir merken. (Das Buch »Ein Ziegelstein für Dörte« erschien als Taschenbuch plus CD im Verlag Voland & Quist.)

Little Eye machen Hüpfmusik

Die Band Little Eye stammt aus Schottland, existiert seit 2008 und ist auf der Insel schon ziemlich bekannt. Man spielt IndieRock, wie er seit zehn Jahren immer wieder aus Großbritannien kommt, und das scheint ganz erfolgreich zu sein: Die Band spielt auf diversen Festivals und ist auch genau für dieses Publikum ausgelegt.

Ich habe die CD »Dreamers« gehört, die zum Jahreswechsel 2016/2017 erschienen ist und fünf schmissige Stücke enthält. Wer gemein sein möchte, bezeichnet die Musik der Band als »Disco-Rock«; es ist die Art von Rockmusik, die in den 80er-Jahren ganz regulär in Diskotheken lief und von Bands wie Foreigner und Toto kam. Heute läuft das unter IndieRock.

Seien wir nicht zu streng: Die schlimmsten Rock-Klischees werden vermieden. Die Melodien sind schmissig, sie dürften ein Konzert- oder Festival-Publikum rasch in Bewegung versetzen. Gelegentlich wummert der Bass, meist aber sind die Melodien geschliffen und der Ausdruck bleibt sehr pop-rockig. Aufregend ist das nicht gerade.

Wer Rockmusik mag, wie man sie zu Beginn der 80er-Jahre gern gehört hat, der ist bei der Band auf jeden Fall gut aufgehoben. Und wer eine coole Hüpfmusik für die Festival- und Party-Saison des Jahres 2018 sucht, sollte sich Little Eye auf jeden Fall mal anhören. Massentauglich ist die Band allemal, was ich hier ausnahmsweise nicht negativ meine.

08 Februar 2018

Eine Geschichte aus Bekassan

Ende 1979 kam ich in Kontakt zum sogenannten Fandom, der Szene von Science-Fiction- und Fantasy-Fans. Ich bestellte die ersten Fan-Zeitschriften, lernte einige Fan-Vereinigungen kennen und publizierte Texte. Innerhalb von wenigen Monaten wurde ich ein aktiver Fan, der sich an vielen Publikationen beteiligte.

Einer der Vereine, dem ich beitrat, war der Erste Deutsche Fantasy Club e.V. (EDFC). Wie genau er mit der phantastischen Welt Magira und der Gruppierung FOLLOW zusammenhing, muss ich mal an anderer Stelle erläutern. Kurz gesagt: Mithilfe von FOLLOW simuliert der Verein seit den späten 60er-Jahren die phantastische Welt namens Magira. Und jedes FOLLOW-Mitglied – ein sogenannter Follower – ist zugleich ein Bewohner von Magira.

Warum ich ausgerechnet zu einem Schwarzafrikaner wurde – dem ersten in der langen Geschichte des Vereins –, ist heutzutage schwer nachvollziehbar. Mein Kunstname war Ghazir en Dnormest, ich schloss mich dem Volk der Esraner an. Es wurde eine nordafrikanische Kultur simuliert, deren religiöse Züge entfernte Ähnlichkeit mit dem Islam hatten.

Um die lange Geschichte abzukürzen: Wie es sich gehörte, schrieb ich eine Geschichte, in der ich meinen FOLLOW-Charakter vorstellte. Ghazir en Dnormest wurde von mir als »Sheik« eines kleinen Wüstenstammes eingeführt, der sein Geld eigentlich damit verdient, dass er irgendwelche Salzbergwerke unterhält und mit dem Salz fleißigen Handel treibt.

Meine Geschichte trug den Titel »In den Salzstöcken von Bekassan«; ein typisches Sword-and-Sorcery-Abenteuer, das sogar einige humoristische Züge aufwies. Ansonsten schilderte ich eine Begegnung mit dem Unbekannten, es gab einige Kämpfe und am Ende natürlich ein relativ gutes Ende.

Veröffentlicht wurde die Geschichte irgendwann im Spätsommer 1980 in einem Fanzine namens »Wüstenkurier«, das in West-Berlin produziert wurde. Ich war sehr stolz auf die Geschichte und bekam von einigen Leuten auch einiges Lob dazu.

Wie ich darauf komme? In diesen Tagen kramte ich die Story endlich einmal heraus, um sie für mein geplantes Buchprojekt mit alten Fantasy-Geschichten anzuschauen. Sie wird – wenn es ein solches Buch jemals geben wird – sicher neu veröffentlicht werden. Damit würde ich die Wüste von Bekassan nach bald vierzig Jahren wieder in Erscheinung treten lassen!

07 Februar 2018

Dan Brown trifft Manga-Stil

Warum sollte das im Comic nicht auch gut funktionieren: Die Jagd nach dem Heiligen Gral fasziniert die Leser von Verschwörungs-Thrillern à la Dan Brown, sie hat im Kino für große Erfolge gesorgt. Dazu kommt das Judas-Geheimnis, es gibt halbwegs bekannte Schauplätze wie den Irak oder den Vatikanstaat, und es treten diverse religiöse Orden auf – fertig ist ein Gebräu, das bei entsprechender Dosierung einfach funktionieren muss. Und es funktioniert selbstverständlich auch im Comic ...

Bereits sechs Bände sind von der Comic-Serie »Cross Fire« erschienen; Grund genug, zumindest mal einen Blick darauf zu werfen. Hauptfiguren sind ein junger Killer der Mafia sowie eine junge, sehr attraktive Frau, die als Geheimagentin für einen Kardinal arbeitet. Beide müssen zusammen arbeiten, beide kümmern sich künftig um Geheimnisse der Kirche, die teilweise seit 2000 Jahren bestehen und die eifersüchtig gehütet werden.

Dabei wird viel geballert und gebombt, ständig herrscht Action. Als ernsthafter Krimi funktioniert das Ganze ebensowenig wie als ernsthafte Science Fiction. Das war sicher auch nicht die Absicht des Kreativduos Jean-Luc Sala als Autor und Pierre-Mony Chan und Zeichner. Die beiden wollten offenbar vor allem eine rasante Geschichte erzählen, die bewusst mit Elementen von Dan Brown spielt, aber die Verwandtschaft mit Indiana Jones und Lara Croft nicht verneinen kann.

Die Frauen in diesem Comic sind alle extrem langbeinig, großbrüstig und schmalhüftig; dazu kommen riesengroße Augen. Vor allem hier zeigt sich deutlich der Manga-Einfluss, ebenso bei den Speedlines, die alle Action-Szenen mit übertriebener Dynamik illustrieren. Wer damit ein Problem hat – und das wäre durchaus nachvollziehbar –, muss die Finger von »Cross Fire« lassen.

Wer auf Verschwörungstheorien steht, rein fiktional natürlich, sollte einen Blick wagen. Auf der Internet-Seite des Splitter-Verlages stehen ja haufenweise Leseproben zur Verfügung; das gibt einen guten Einblick. Und wer Lust darauf hat, eine schnell erzählte Comic-Geschichte kennenzulernen, die sich schon sehr stark von den klassischen frankobelgischen Geschichten unterscheidet, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren.

Ich finde »Cross Fire« cool – ein Comic, der aktuell und modern ist, ohne sich zu sehr an den Zeitgeschmack anzubiedern.

06 Februar 2018

Gefährliche Expedition in die Pfalz

Die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines ist erschienen. Es handelt sich um die Nummer 163; auf dem Cover sind die Damen und Herren von The Baboon Show in lasziver Pose zu sehen. Und ich bin als Autor mit der aktuellen Folge meines Fortsetzungsromans vertreten.

»Der gute Geist des Rock'n'Roll« ist damit schon in die elfte Runde eingetreten. Ich bin selbst immer baff, wenn ich feststelle, wie schnell so eine Veröffentlichung durchrattern kann. Sieht man davon ab, dass ich mir stets selbst einen Zeitdruck verschaffe, macht mir das Schreiben der Serie nach wie vor großen Spaß.

Diesmal ist der Held meines Romans auf einer gefährlichen Expedition unterwegs. Man hat die beschauliche Stadt verlassen, in der Peter Meißner sonst wohnt, ist über den Rhein gefahren und versucht in der Pfalz nun, irgendwelchen Nazis einige pädagogische Schläge auf den Hinterkopf zu verpassen. Und natürlich geht nie alles so aus, wie es sich der Held des Romans so vorstellt ...

Zufälligerweise ist Peter Meißner so alt wie ich. Aber dann hören die Ähnlichkeiten auch fast auf. 1996 arbeitete ich nicht als Grafiker in einem Anzeigenblatt, sondern als Redakteut in einem Zeitschriftenverlag.

Ansonsten gibt es doch die eine oder andere Überschneidung. Aber diese Details sollen meinetwegen in hundert Jahren irgendwelche Germanistik-Studenten herausfinden.

05 Februar 2018

Immerhin auf der Longlist

Zwar glaube ich nicht daran, dass ich eine ernsthafte Chance habe – die Konkurrenz an richtig guten Romanen ist einfach sehr groß –, aber ich habe mich sehr darüber gefreut, zumindest bei der »Longlist« zu landen. Gemeint ist die Liste im Bereich »bestes Buch« der phantastischen Literatur, die für die weitere Wahl des Seraph-Jury ausgewählt wurde. Ich empfinde das als schöne Auszeichnung für meinen Roman »Das blutende Land«.

Dass mir die Jury den »N.« – sprich »Enpunkt« – bei meinem Namen geklaut hat, werde ich wohl überleben. Aber das Buch wäre ja auch fast ohne dieses Mittel-Initial gedruckt worden; bei Droemer-Knaur mochte man den »N.« wohl nicht so gern. Die Phantastische Akademie ordnet sich hier also ins Gesamtbild ein ...

Ich werde in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse sein. Wie ich mein Glück kenne, bekomme ich die Preisverleihung dann wieder aus der Ferne mit. Aber den Gewinnerinnen und Gewinnern möchte ich dennoch gratulieren!


Rezensionen mit unterschiedlicher Gewichtung

Ich erlaube mir, an dieser Stelle auf zwei neue Rezensionen zu meinem Fantasy-Roman »Das blutende Land« hinzuweisen. Sie sind nicht euphorisch ausgefallen – aber das macht nichts. Jede Rezensentin und jeder Rezensent haben sich schließlich intensiv mit meinem Roman beschäftigt, und das finde ich gut.

Im Internet-Portal »Literatopia« betrachtet Nicole Troelenberg durchaus kritisch über meinen Roman. Sie schreibt etwas, das ich mittlerweile sehr oft gehört habe: »... da die drei erwähnten Charaktere alles andere als sympathisch gestaltet sind.« Die Hauptfiguren seie alle um ihr »eigenes Wohlergehen, um ihren Aufstieg und ihre Befehle besorgt und scheren sich nicht um das Leid anderer«.

Ihr Fazit ist dann nicht so positiv: »Erst in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte Fahrt auf und nimmt den Leser mit in eine schroffe Welt voll uralter Magie, selbstsüchtigen Herrschern und eilfertigen Söldnern, deren Mangel an Vernunft das Land in den Untergang zu stürzen droht.« Mein Werk sei sicher »kein schlechter Roman«, habe »aber nur einen Platz im Mittelfeld«.

Eine vom Stil und vom Inhalt her spannende Rezension fand ich auf der Seite »Der weiße Drache«. Der Rezensent hat eine ungewöhnliche Art, über das Buch zu schreiben; sie erinnert mich an die subjektive Art von Rezensionen, die ich vor allem von Punkrock-Fanzines her kenne. Das ist außergewöhnlich und macht Spaß.

Der Rezensent meint, »das blutende Land« sei auch unser Land. »Fantasy-Literatur ist immer ein Spiegel unserer Zeit und Klaus hat das, messerscharf, umgesetzt.« Ich hätte »richtig gute Arbeit geleistet« und mich dafür empfohlen, »dass man sein Buch auch inhaliert«. Nun denn ...

04 Februar 2018

Das Leben ist ein Fest – im Film

Der neue Spielfilm aus Frankreich heißt »Das Leben ist ein Fest«, und ich habe ihn gestern abend im Kino gesehen. Um es vorwegzunehmen: Es ist kein Film, den man gesehen haben muss, aber wenn man für eineinhalb Stunden einen Film sehen möchte, der einen rundherum gut unterhält, der nebenbei ein schönes Bild unserer Zeit vermittelt und richtig gut gemacht ist – dann ist dieser Streifen echt gut geeignet.

Die Hauptperson ist Max, ein Mann, der Hochzeiten plant und organisiert. Es geht um eine einzige Party, die in einem alten Schloss abzulaufen hat.

Doch nichts klappt so richtig: Seine Stellvertreterin verträgt sich nicht mit den Musikern, es gibt Probleme mit dem Essen, und einige der Hilfskräfte haben keine Ahnung von dem, was sie tun sollen. Darüber hinaus hat Max sowohl Probleme mit seiner Ehefrau als auch mit seiner Geliebten, und der Bräutigam stellt sich als ein eingebildeter Kotzbrocken heraus.

Die Macher, die auch für »Ziemlich beste Freunde« verantwortlich waren, packen verdammt viel Stoff in ihren Streifen. Neben der Geschichte von Max erzählen sie noch gut ein Dutzend weiterer Geschichten, die alle parallel laufen, die alle miteinander zusammenhängen und die alle in diesem Schloss zu einem gewissen Abschluss kamen. Als Zuschauer lacht man oder man freut sich mit den Leuten, man ist entsetzt, wenn etwas schiefgeht, und man freut sich, wenn dann doch das Gute siegt.

Klar, es gibt sicher gute Gründe, so einen Film doof zu finden. Kann man ernsthaft über flache Gags lachen, wenn die Wirklichkeit so traurig und ernsthaft ist? Ja, man sollte das sogar.

Zudem ist »Das Leben ist ein Fest« ein Film, der verdammt viel über unsere Wirklichkeit aussagt, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu winken: Ganz nebenbei geht es um illegale Beschäftigung, die Tricks bei Veranstaltungen, den Snobismus der Oberklasse und die vielen kleinen Lügen, die offenbar jeder mit sich und seiner Umwelt ausmacht.

»Das Leben ist ein Fest«, der mich richtig gut unterhalten hat. Ob man ihn jetzt im Kino sehen muss, weiß ich nicht. Aber manche Bilder sind auch in diesem Streifen so, dass sie auf der großen Leinwand einfach toll sind, während sie auf dem Bildschirm halt einfach nur lahm sein dürften. Meine Empfehlung: reingehen!

03 Februar 2018

Ein Schwerpunkt zum Thema Plagiate

Die Zeitschrift »Federwelt« erscheint alle zwei Monate. Man könnte meinen, das reicht, um sie regelmäßig zu lesen. Doch Fehlanzeige!, ich hinke ständig hinterher. So schaffte ich es erst dieser Tage, die Ausgabe 127 zu Ende zu lesen – und diese flatterte mir im Dezember 2017 ins Haus.

Wie so oft, gab es auch in dieser Ausgabe viele Dinge, die mich interessierten. Die »Zeitschrift für Autorinnen und Autoren« liefert immer wieder Themen, die ich als Redakteur spannend finde, ebenso als Gelegenheitsautor. Und wenn es nur Anregungen sind, über die ich nachdenken und mit denen ich Ideen weiterspinnen kann ...

Auf den 68 Seiten der Dezember-Ausgabe bilden Plagiate ein echtes Schwerpunkt-Thema. Offenbar hat vor allem unter Selfpublishern die Tendenz zugenommen, gnadenlos voneinander abzuschreiben. Entsprechende Beispiele liefern die Beiträge im Magazin, ebenso gibt es rechtliche Informationen – unter anderem gibt ein Rechtsanwalt einige Auskünfte.

Darüber hinaus beschäftigt sich das Heft mit Stipendien oder über die Möglichkeiten, im Lokalbereich für sich als Autor oder Autorin aufmerksam zu machen. Es gibt Textkritik – diesmal die »literarische Kurzgeschichte« und Überlegungen zur heutigen Lyrik.

Alles in allem eine unglaublich bunte Mischung! Anke Gasch als Chefredakteurin setzt die gute Arbeit ihrer Vorgängerinnen und Vorgänge fort; ich mag das Heft sehr, auch wenn ich es selten schaffe, eine Ausgabe komplett zu lesen. (Checkt die Internet-Seite!)

02 Februar 2018

Harter Kampf beim Bäcker

Ich wohne in Karlsruhe, wo ich theoretisch eine große Auswahl an Bäckereien habe. In der Innenstadt wimmelt es von den großen Bäckerei-Ketten wie etwa der »Badischen Backstube« oder sogenannten Back-Shops (wenn man das englisch ausspricht, klingt es gleich viel lustiger). Diese Läden meide ich, wenn möglich, und ich kaufe normalerweise auch nicht in den Bäckereien ein, die den Supermärkten angegliedert sind. Ich finde die gebotenen Backwaren qualitativ nicht gut.

Also steuere ich eine der Bäckereien an, die inhabergeführt sind und von denen es in direkter Nähe zu unserer Wohnung gleich mehrere gibt. Und dann hängt es einfach davon ab, wie gut oder wie schlecht meine Stimmung ist. Als beste Bäckereien in unserer Gegend gelten – zu Recht – die Bäckereien Lörz und Meier. Beide haben gleich mehrere Filialen.

Will ich es gemütlich haben, steuere ich die Bäckerei Meier an. Dort ist zwar viel los, aber die Schlange ist nicht lang. Oder ich setze mich aufs Rad, fahre einen Kilometer weiter und in den Ortsteil Mühlburg – dort ist in den Lörz-Filialen auch ein vergleichsweise normaler Betrieb.

Will ich aber so richtig aufgeweckt werden, will ich das pralle Leben spüren, dann steuere ich die Lörz-Filiale an, die uns am nächsten liegt. Dort stehen die Kunden echt Schlange, man kommt sich vor wie in der alten DDR. Die Schlange geht auf die Straße hinaus, bei Wind und bei Wetter steht immer gut ein Dutzend Menschen außerhalb des Ladens und wartet darauf, dass es hineingeht.

Dabei stehen hinter dem Tresen im Schnitt drei bis vier Personen, die den Verkauf abwickeln. Die Damen sind schnell, und sie sind energisch. Wer zu lang überlegt oder erst einmal eine Frage stellen möchte, hat echt verschissen.

Entsprechend hektisch geht es zu, die Rufe gellen kreuz und quer durch die überfüllte Filiale: »Was wellet Sie« oder »Sonsch no was?« sind Standardfragen. Als Kunde gibt man schnell und hektisch Antwort, Rückfragen werden ebenfalls quer durch die Filiale gebrüllt. Dann zahlt man flott, eilt hinaus ins Freie – damit der nächste Kunde seinen Platz in der Schlange verlassen und in die Filiale gehen kann.

Action, Spaß und Spannung: Andere Leute bezahlen viel Geld dafür, ich gehe einfach in die nächstgelegene Bäckerei.

01 Februar 2018

Tagen zwischen Reben

Nicht zum ersten Mal veranstalteten meine Kolleginnen und Kollegen zusammen mit mir eine Teamtagung – die fand dieses Jahr wieder im beschaulichen Örtchen Neuweier statt. Wer das nicht kennt, muss sich nicht grämen; es ist ein Dorf, das zwischen den Weinbergen liegt und in dem es eine Reihe von guten Restaurants gibt.

Wir tagten im »Rebenhof«, der wirklich optimal für solche Zwecke ist: Der Besprechungsraum ist für eine Gruppe unserer Größe optimal, es gibt ausreichend Parkplätze, und wer an die frische Luft will, hat zwischen Weinbergen und Schwarzwaldrand genügend Auslauffläche. Letztlich geht's darum, intensiv zu arbeiten, ohne von Termindruck-Telefonaten gestoppt zu werden.

Das Essen war typisch badisch: Es gibt halt viel mit Soßen, es gibt Spätzle und Maultäschle – aber wer auf eine gutbürgerliche Küche steht, ist hier bestens beraten. Als Vegetarier fristete ich kein Schattendasein, sondern bekam vernünftiges Essen auf den Tisch. Und weil wir in der Weinregion des Reblandes saßen, schmeckte auch der lokale Riesling echt gut.

Für einen besonderen Charme sorgen seit all den Jahren die Gänse, die offenbar als ein Ersatz für Hunde dienen müssen: Wer den Tieren zu nahe kommt, wird durchaus aggressiv angegangen. Deshalb riskierte ich es nicht, sie zu intensiv zu mustern, sondern schoss mein Romantik-Foto aus der Ferne ...

30 Januar 2018

Schon klassische Western-Kurzgeschichten

Ohne Zweifel zählt Louis L'Amour zu den Autoren des Western-Genres, die zumindest in den Vereinigten Staaten ernstgenommen werden. Auf irgendeinem Science-Fiction-WorldCon sah ich mit staunenden Blicken die schöne Hardcover-Ausgabe, die seine Romane präsentiert. Im deutschsprachigen Raum wurde der Autor in verschiedenen Taschenbuchreihen publiziert, und heute dürfte er außerhalb der »harten« Fan-Szene vergessen sein.

Ich fand in einer Kiste das Taschenbuch »Der falsche Killer«, das 1983 im Heyne-Verlag veröffentlicht worden war. Es enthält neun Kurzgeschichten, die allesamt die bekannten Western-Elemente servieren: einsame Männer, die sich gegen eine Übermacht stellen, Pioniere an der Grenze, Frauen mit Mut im Herzen und einer Schusswaffe in der Hand.

Leider fehlt jeglicher Hinweis darauf, wann die Geschichten ursprünglich veröffentlicht worden sind. Aber das interessierte damals die Leser kaum; ich fände es heute spannend. Aber wahrscheinlich muss ich noch lange auf eine vernünftige Ausgabe der L'Amour-Werke warten. Die Geschichten sind trotzdem alle klasse.

Gleich die Titelgeschichte wartet mit einem Inhalt auf, der hart an der Grenze zur Western-Ironie steht: Ein Schauspieler verkleidet sich als bekannter Revolverheld – damit beeinflusst er ein Duell, bei dem ansonsten ein eher harmloser Mann keine Chance gehabt hätte ... Der Autor nimmt die aus zahlreichen Filmen bekannten Duelle hier als Grundlage für eine Geschichte über Schauspielerei und Mut; schön!

»Die Geisterstadt« ist im Prinzip ein Western-Roman, der auf wenigen Seiten gerafft wird, eine Geschichte über eine Goldgräbersiedlung, um Banditen und einen Mann, der sich gegen sie auf die Straße stellt. Der Text ist schlicht erzählt und kommt ohne Firlefanz aus, wirkt dabei erstaunlicherweise sogar glaubhaft.

Klar – auch dieser Autor variiert nur die bekannten Western-Klischees. Aber wie er das macht, das beeindruckte. Seine Beschreibungen sind klar und ufern nie aus, die Dialoge bleiben oftmals trocken, die Action hält sich im Rahmen. Das ist nicht effekthascherisch, sondern eine Text-Ökonomie, die ich bewundere. Toll!

Eigentlich hatte ich nicht vor, »Der falsche Killer« ins Bücherregal zu stellen, sondern es gleich weiter zu verschenken. Aber jetzt bewahre ich die Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen doch auf – ich denke, daraus kann ich künftig die eine oder andere Lehre ziehen.

29 Januar 2018

Simon und die deutsche Hochliteratur

»Ich träume von einer langen Treppe, die hinaufführt zu einem abgeschiedenen Raum. Eintritt haben nur diejenigen, die Fehler machen, Umwege gehen, Versuche wagen.« Diese zwei Sätze stammen aus dem Buch »Sieben Nächte« von Simon Strauß, das im Blumenbar-Verlag erschienen ist. Ich habe sie aus der Leseprobe gezogen, die der Verlag freundlicherweise zur Verfügung stellt; da kann man schauen, ob einem das Buch gefallen könnte.

Seit einiger Zeit erregt der Autor das Feuilleton im deutschsprachigen Raum. Um es konkreter zu sagen: Eine Handvoll von Redakteuren aus dem Kultur- und Feuilletonbereich der »führenden« deutschsprachigen Zeitungen liefert sich eine zugespitzte Diskussion darüber, ob Strauß nun mit den Nazis liebäugelt oder ob er doch eher ein Linker ist. Da wird viel gemunkelt und gemutmaßt, es ist eine wahre Freude.

Klar, der junge Autor ist der Sohn von Botho Strauß, von dem man immer mal wieder hört. Früher schrieb der Herr Vater starke Gedichte, dann schrieb er halbpolitischen Kram wie über den »Anschwellenden Bocksgesang«, und danach zählte er auch zu jenen Autoren, die man offenbar gelesen haben musste, wenn man mitreden wollte.

Aber das hat »natürlich« nichts mit dem jungen Simon Strauß zu tun. Warum es dann bei jeder Gelegenheit erwähnt werden muss, leuchtet mir nicht ein.

Es hilft, sich einfach die Leseprobe genau anzuschauen. Was der Autor auf den ersten Seiten schreibt, ist eine um sich kreisende Ich-Sucht, ein langweiliges Geschreibsel von jemandem, der sich offenbar grenzenlos langweilt und dann in einem gestochenen und zugleich langweiligen Stil von irgendwelchen Bildern, Träumen und Erwartungen schreibt.

Das kann man lesen, muss es aber glücklicherweise nicht. Das sind Texte, in die kann jeder und jede hineininterpretieren, wozu man Lust hat. Ob das nun »rechts« oder »links« ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass es lahmes Geschreibsel ist.

Und darüber wird so intensiv diskutiert? Es muss den Journalisten schon sehr gut gehen in diesem Land, wenn sie das für aufregenswert halten ...

28 Januar 2018

Interview mit Literatopia

Darüber habe ich mich sehr gefreut: Das Internet-Portal »Literatopia«, das seinen Schwerpunkt zumindest zu einem großen Teil auf phantastische Literatur legt, hat mich zum Interview gebeten. Das Interview wurde per Mail geführt, die Fragen bekam ich von Judith Madera. (Sie wohnt in derselben Stadt wie ich.)

Befragt wurde ich zu meinem Fantasy-Roman »Das blutende Land« und seinen Hintergründen. Aber es ging auch um PERRY RHODAN, also um meinen Job, sowie um meine Punkrock-Romane, genauer gesagt, um den Kurzgeschichtenband »Für immer Punk?«.

Das Interview gefällt mir selbst sehr gut – klar, es geht ja auch um mich. Möge sich jede/r selbst eine eigene Meinung bilden ...

26 Januar 2018

Ein Lexikon und mein Beitrag

Es war eine ungewöhnliche Idee, und ich fand sie anfangs eher seltsam: »Ich stelle für Reclam ein Buch zusammen, das sich mit besonderen Fahrzeugen beschäftigen wird«, erläuterte mir Hartmut Kasper irgendwann 1998. Es sollte allerlei Fahrzeuge enthalten, die wir »nicht auf dem Schirm« hatten: Raumschiffe ebenso wie Züge oder Autos.

Ich schrieb einen Text über das Batmobil und seine Geschichte, den ich selbst ganz witzig fand, reichte ihn ein – und im zweiten Halbjahr 1999 wurde das entsprechende Buch veröffentlicht. Das »Lexikon der wunderbaren Fahrzeuge« erschien im Reclam-Verlag, es war ein richtig schönes Taschenbuch, und ich war entsprechend stolz darauf, darin vertreten zu sein.

Allerlei lebensnotwendige Fahrzeuge tauchten in diesem Buch auf, schön alphabetisch sortiert. Die Autos aus Superhelden-Comics wurden gleichberechtigt neben Raumschiffen aus der PERRY RHODAN-Serie oder dem Orient-Express platziert, natürlich durfte »Raumpatrouille Orion« ebensowenig fehlen wie die »Enterprise«.

Die Zusammenstellung war kunterbunt und unterwarf sich nicht gerade seriösen lexikalischen Regeln: Manches wunderbare Fahrzeug hätte man sich sparen können, dafür fehlten wertvolle Fahrzeuge wie das »Flüwatüt«. Aber man konnte nicht alles haben.

Der Ton des Buches war heiter und launig; das Augenzwinkern der jeweiligen Verfasser ließ sich nicht übersehen oder überlesen. Als augenzwinkerndes Lexikon wollte das Buch auch verstanden werden; ich fand es großartig.

Leider ist es längst verlagsvergriffen, und man kann es nur über diverse Secondhand-Versender noch bekommen. Eine Neuauflage ist sicher auch nicht in Sicht.

Vielleicht sollte ich zumindest mal dafür sorgen, dass mein Text nicht ganz verschwindet. Wenngleich ich keine Ahnung habe, wo man diesen nachdrucken oder nachveröffentlichen könne.

25 Januar 2018

Blumen und Alleen und Frauen

Acht Zeilen lang ist der Text, über den sich die halbe Republik aufregt. Zumindest ärgern sich die Kulturschaffenden, könnte man meinen. Den einen ist der Text zu sexistisch, und sie wollen ihn weggemacht haben. Die anderen halten das Überpinseln des Textes für »barbarisch«.

Man könnte meinen, es ginge um etwas wirklich Wichtiges. Stattdessen geht es um acht Zeilen, die als »Gedicht« gelten, aber nicht mehr sind als eine erbarmungswürdige Aneinanderreihung von Wörtern. Dass die dann auch noch in spanischer Sprache sind, macht wahrscheinlich den »lyrischen Charakter« des Werkes aus.

Könnten die Leute, die sich derzeit pro und contra aufregen, einfach mal den Ball flach halten? Man könnte sich über den Text ja auch aufregen, weil er so schlicht und unwichtig ist. Man könnte sogar sagen, »wenn sich davon jemand abgewertet fühlt«, wofür es ja durchaus Gründe gibt, »dann übermalen wir die paar albernen Zeilen und pinseln stattdessen Artikel eins des Grundgesetzes dahin«.

Man könnte irgendwas sagen, das nach Vernunft und Zurückhaltung klingt. Die paar Zeilen sind weder Kunst noch sonstwas, um das es sich zu streiten lohnt.

Dass hier ein alter Mann – Eugen Gomringer ist jetzt 92 Jahre alt – Frauen mit Blumen vergleicht, kann man kritisch diskutieren. Aber wenn sie übermalt werden sollten, ist das weder Zensur noch Gesinnungsdiktatur oder Barbarei.

(Wer nicht weiß, wovon ich schreibe. Schaut euch den Artikel in der »Welt« an. Die steht nicht gerade im Verdacht, mein Leib-und-Magen-Blatt zu sein.)

Jack Ketchum ist gestorben

Als ich den Roman »Evil« zum ersten Mal las, musste ich die Lektüre mehrfach unterbrechen. Der Roman verstörte mich nachhaltig, ich hatte nachts Alpträume. Es ist ein Horror-Roman ohne Monster – die wirklichen Monster sind »Menschen wie du und ich«, und das ist wirklich furchterregend.

Der Autor des Romans war Jack Ketchum; mit bürgerlichem Namen hieß er Dallas Mayr. Er verstarb gestern im Alter von 71 Jahren. Auch wenn ich gar nicht so viel von ihm gelesen habe, berührt mich sein Tod in gewisser Weise.

Ketchum verstand es in seinen Werken, die Angst in mir zu wecken. Nicht die Angst vor Vampiren oder Zombies, vor Serienkillern und Folterknechten, wie es andere Horror- oder Krimi-Autoren tun, sondern die Angst vor einem selbst.

Wenn man sich anschaut, wie er seine Figuren durch die Romane führte, so wird einem klar, dass er sie oft als einen Spiegel des Lesers einsetzte. Sein Horror war nicht voyeuristisch; es ging ihm nicht um die stumpfe Darstellung von Gewalt und Grausamkeit.

Ich kenne mich mit Horror-Literatur nicht gut genug aus, um seinen Stellenwert wirklich einzuschätzen. Er schrieb Romane, die einem nahegehen, und er wurde mit Preisen nicht so überhäuft. Und er hinterlässt in einem Genre, das zwischen fürchterlichem Schund und durchaus anspruchsvoller Literatur variiert, tatsächlich eine Lücke.

24 Januar 2018

Erinnerung an Ursula K. Le Guin

Es ist lange her, seit ich zuletzt einen Roman von Ursula K. Le Guin gelesen habe; es war »Verlorene Paradiese«, das vor fast vier Jahren im Atlantis-Verlag erschienen ist. Ich erinnere mich aber sehr gut an ihre Science-Fiction- und Fantasy-Romane, die ich stets sehr mochte.

Heute steht's in allen Newsseiten im Internet: Die Autorin ist bereits am Montag in Portland verstorben, sie wurde 88 Jahre alt. Weil sie mich vor allem in den 80er-Jahren sehr beeindruckte und damit auch meine »Laufbahn« als Fan der Genres Fantasy und Science Fiction beeinflusste, traf mich die Nachricht heute morgen tatsächlich.

Alle Artikel verweisen auf ihre »Erdsee«-Trilogie, die offenbar das bekannteste Werk der Autorin geblieben ist. Ich vermute mal, das liegt schlichtweg daran, dass die Trilogie verfilmt worden ist. So bedeutsam war die Geschichte um einen jungen Magier in einer von Inseln übersäten Welt ja doch nicht.

Wichtiger war und ist das Werk, das die Autorin darüber hinaus hinterlassen hat. »Planet der Habenichtse« las ich zweimal, in verschiedenen Übersetzungen, und ich mochte es jedes Mal aufs Neue. Wie die Autorin es schaffte, eine anarchistische Kultur zu schildern und sie in einen spannenden Gegensatz zu einer kapitalistischen Kultur zu bringen, das war schon ziemlich klasse.

Toll fand ich auch den Roman »Das Wort für Welt ist Wald«, eigentlich ein Öko-Thriller, an den ich mich nach über dreißig Jahren noch gut erinnere. Und »Der Winterplanet«, in dem es eigentlich um wechselnde Geschlechterrollen ging, war ebenfalls ein Roman, der mir die Augen öffnete.

Die Autorin war auch als Schreiblehrerin aktiv; hierzulande wurde im Autorenhaus-Verlag sogar ein »Kleiner Autoren-Workshop« von ihr veröffentlicht. Leider habe ich sie nie auf einem WorldCon oder einer anderen Veranstaltung erleben oder gar kennenlernen dürfen.

Ursula K. Le Guin war eine wichtige Autorin für die phantastische Literatur. In den 70er- und 80er-Jahren bahnte sie anderen Autorinnen den Weg. Ich werde sie und ihre Werke immer in Ehren halten.

23 Januar 2018

Indierock mit Hang zur Länge

Eine Band mit dem Namen Øl – und zwar genauso geschrieben – war mir bislang nicht bekannt. Das ist durchaus nachvollziehbar: Die Musiker aus dem Odenwald spielen seit gut zwanzig Jahren zusammen, haben eine Reihe von Tonträgern veröffentlicht, musizieren aber vor allem in dem Bereich der Rock-Musik, der auf »schöne Melodien« und viel Gitarre setzt. Immerhin habe ich mir die CD »Decades« angehört, die bereits 2016 erschienen ist.

Musikalisch bleibt die Band sich treu: Es ist melodiöse Rockmusik, die angenehm instrumentiert ist und bei der die Gitarren meist sauber klingen. Die englischsprachigen Texte werden »schön« gesungen, man setzt auf Harmonien, nur selten lässt die Band es auch ein wenig krachen.

Ab und zu quäkt eine Orgel, ansonsten setzen die 17 Stücke auf der Platte auf klassischen Gitarren-Sound, wie es ihn seit Jahrzehnten gibt. Manchmal ist mir das einfach zu weinerlich, oft aber sind die Melodien echt gut. Mit »Purple Eyses« hat die Band sogar ein Stück produziert, das meiner Ansicht nach radiotauglich wäre.

Sagen wir es so: Wer auf Bands wie U2 oder Marillion steht, für den ist die Band sicher eine Empfehlung. Rein handwerklich ist hier alles stimmig und gut. Mir war's auf die Dauer zu lahm, und von den 17 Stücken sind für meine Ohren vielleicht drei, vier so richtig gelungen.

22 Januar 2018

Ein Büffel im November 1982

Zu den Texten, die ich 1982 – als ich offenbar eine schwer »lyrische Phase« hatte – schrieb und nie veröffentlichte, zählte ein reimloses Gedicht mit dem Titel »Büffel«. Ich kritzelte es am 8. November 1982 auf einen Zettel und tippte es damals nie ab.

Der erste Absatz klingt noch, als hätte ich damals versucht, Naturlyrik zu schreiben: »Er trampelt durch die Welt, / das dicke Fell gesträubt. / Es staubt, und unter seinen / Marschschritten erzittern die Menschen.«

Danach wurde es rasch ein wenig realistischer; der »braune Schwanz« deutet schon darauf hin. Und am Ende orakelt es mit »Es wird wieder 33« geradezu vor sich hin.

Zu vermuten ist, dass mich damals das sogenannte Misstrauensvotum beschäftigte. Mit diesen wurde im Oktober 1982 bekanntlich die Regierung von Helmut Schmidt gestürzt; auf die Koalition aus SPD und FDP folgte die Koalition von CDU/CSU und FDP. Dass ein Helmut Kohl ernsthaft Kanzler werden würde, fand wohl damals nicht nur ich völlig verwirrend.

Aber dass mich die politischen Ereignisse jener Zeit dazu brachten, »politische Lyrik« zu schreiben, ist im Nachhinein schlüssig. Die Alternative wäre gewesen, eine Science-Fiction-Geschichte zu verfassen, und dazu hätte ich sicher stärker abstrahieren müssen ...

21 Januar 2018

Einmal fünfzig, eimmal hundert Jahre

Ich bin ja, was die Gedankenwelt aktueller Politiker angeht, schon seit Jahren der Ansicht, dass ihr intellektueller Horizont zumeist nicht weiter geht als bis zur nächsten Stufe der Karriereleiter. Vor allem historisch und gesellschaftspolitisch wird so wenig wie möglich nachgedacht, man peilt – so scheint es mir – gern den Weg des geringsten Widerstands im Hirnstübl an.

Dieses Jahr stehen zwei Jubiläen an, was das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich angeht. Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg, der ein fürchterliches Gemetzel war, dessen Nachwirkungen wir uns heute wohl kaum noch vorstellen können. Der Élysée-Vertrag, der vor fünfzig Jahren geschlossen wurde, sollte aus uralter Feindschaft endlich eine neue Freundschaft schmieden.

Ich lebe an der französischen Grenze. Mit dem Autor brauche ich eine Viertelstunde nach Frankreich, vielleicht auch zwanzig Minuten; mit dem Fahrrad ist es ein wenig mehr. Weil es aber keine Grenzen gibt, kann es einem am Rhein passieren, dass man einfach mit dem Rad durch den Wald strampelt und plötzlich in einem anderen Land steht.

Dass »wir« heute ein so positives Verhältnis zu Frankreich haben, ist ein Erfolg von Verträgen und Freundschaften, die in den fünfziger und sechziger Jahren geschlossen wurden. Die heutige Kaste von Politikern erahnt wahrscheinlich nicht mal, was das bedeutet und wieso das so wichtig ist.

Ich weiß es gut aus meiner eigenen Biografie: Mein Vater war 1943 beim »bewaffneten Reichsarbeitsdienst« in Besancon, bevor er als Soldat an die Ostfront versetzt wurde. Mein Großvater war als Soldat der Reichswehr während des Ersten Weltkriegs in Frankreich und schoss auf Franzosen. Mein Urgroßvater war, wenn ich die Geschichten richtig zusammenbekomme, im Deutsch-Französischen Krieg zumindest in der württembergischen Landwehr.

Anders gesagt: Meine Generation war die erste seit Generationen, die nicht in einen Krieg mit dem Nachbarn ziehen musste. Der Frieden in Europa ist keine Selbstverständlichkeit – aber ob die heutigen Politiker in ihrer Beschränktheit an solche Dinge denken, wage ich zu bezweifeln. Offenbar muss sich unsereins auf die Weitsicht von Monsieur Macron und seiner Regierung verlassen ...

20 Januar 2018

Ichwolke Menschmaschine als Thema

Seit vielen Jahren lese ich die Literaturzeitschrift »Am Erker«; nie schaffe ich es, eine Ausgabe komplett durchzuschmökern. Das ist nicht schlimm – es kann einem einfach nicht der Einstieg in jede Kurzgeschichte und in jedes Gedicht gelingen. Die Ausgabe 73, die bereits im Sommer 2017 veröffentlicht wurde, habe ich aber ziemlich komplett gelesen.

Das lag und liegt am Thema: Auf dem Cover der Ausgabe steht »Ichwolke Menschmaschine«, was ein wenig kryptisch klingt, und im Inhalt gibt es sehr viel Science Fiction zu lesen. Viele Kurzgeschichte beschäftigen sich mit dystopischen oder utopischen Themen, auch die Gedichte haben gelegentlich einen leichten »SF-Touch«. Das macht die Lektüre der Literaturzeitschrift auch für die Freunde des Genres immer interessant.

Sehr gern las ich auch das Interview mit dem Schriftsteller Norbert Stöbe. Der Titel »Wir werden uns schon irgendwie durchwursteln« sagt schon, in welche Richtung es geht: Der Science-Fiction-Autor, von dem ich schon lange nichts mehr gelesen habe, spricht nicht nur über das Genre, sondern auch über die Kultur an sich und die Zukunft der Menschheit. Lesenswert!

(Schön finde ich, dass das Interview zudem auf der Internet-Seite der Zeitschrift zur Verfügung gestellt wird. Da kann es jede/r nachlesen. Empfehlenswert!)

Ich schätze »Am Erker« sehr. Dieser Tage traf schon die Ausgabe 74, auf deren Lektüre ich mich auch freue. Empfehlen möchte ich die Ausgabe vom Sommer 2017 aber vor allem den Science-Fiction-Lesern, die in der Lage sind, über den Tellerrand zu schauen!

19 Januar 2018

Neustart für den Kollegen

Um es klar zu sagen: Ich bin froh, dass es die Heftromanserie »Maddrax« gibt – aus ganz egoistischen Gründen. Auch wenn ich einige Dinge inhaltlich wie optisch eher bedenklich finde; vor allem bei den Titelbildern wird ein schon skurriler 70er-Jahre-Sexismus abgefeiert.

Aber egal: Ohne »Maddrax« wäre die Serie, für die ich tätig bin, als einzige Science-Fiction-Romanserie überhaupt noch im Zeitschriftenhandel. Gemeinsam bilden wir also den »Markt« – das klingt ein wenig absurd, ist aber eine Tatsache.

Deshalb nehme ich erfreut zur Kenntnis, dass die Kollegen bei Bastei eine Neuauflage der Serie angekündigt haben. Das wird nicht im regulären Heftroman geschehen, sondern in Form von Sammelbänden – immer drei Romane in einem Band. (Und ich hoffe, dass die Autoren dann wenigstens ein kleines Nachdruckhonorar erhalten!) Womöglich war die Kalkulation von Einzelbänden zu kniffelig; Sammelbände finde ich persönlich aber auch attraktiv.

Alle vier Wochen soll künftig einer der neuen »Maddrax«-Sammelbände erscheinen. Ich kenne die Serie ja vor allem »vom Blättern« her, habe sie nie komplett oder engagiert gelesen, weiß aber, dass die Romane zwischen »toll« und »na ja« schwanken – das ist bei Serien irgendwie normal. Und aus den eingangs erwähnten Gründen, die ja auch höchst subjektiv sind, hoffe ich, dass diese Neuauflage erfolgreich im Handel bestehen wird.

18 Januar 2018

An der Grenze zu Algerien

Am 17. Dezember 1987 stand ich an der Grenze zwischen Marokko und Algerien. Nicht allein in diesem Fall – wir waren zu dritt und reisten mit einem großen Bus, den wir durch die Sahara nach Westafrika fahren wollten, um ihn dort zu verkaufen. Keine einfache Reise, nicht ohne Strapazen .. Eine echt anstrengende Hürde war die Grenze nach Algerien.

Dazu zählte nicht nur, dass ich als offizieller Besitzer des Busses ein ausführliches Verhör über mich ergehen lassen musste und dass unser Gepäck durchsucht wurde, sondern es gehörte auch dazu, dass wir genau über unsere finanziellen Verhältnisse Auskunft geben mussten. Ich hatte relativ viel Geld dabei, das ich auch für die weitere Reise in Westafrika benötigte. Das meiste deklarierte ich, einen Teil aber verstecke ich in der Wandung des Busses.

Während der Kontrolle schwitzte ich buchstäblich Blut und Wasser. Bis ich das Geschenk herausrückte, das ich extra für solche Fälle eingepackt hatte: Es war ein Wandkalender, einer von diesen billigen Dingern, die man in Apotheken geschenkt bekam, und er hatte schöne Motive des Schwarzwaldes.

Die algerischen Grenzer, die in einer muffigen Bude im Niemandsland saßen, waren völlig begeistert, als sie die Bilder von bewaldeten Hügeln, von kleinen Dörfern und schmalen Bächen sahen, vor allem vom Schnee auf den Bergen und anderen Motiven, die unsereins wie Kitsch vorkamen. Ich erklärte, woher ich kam, konnte ihnen auch ein Bild von Freudenstadt zeigen. Die vorher so strengen Männer wurden richtig freundlich, sie verhielten sich völlig korrekt, und so konnten wir an diesem Abend ohne größere Probleme weiterfahren.

Als Souvenir dieser Grenzkontrolle blieb die »Declaration«. Und im Kopf blieben die Bilder der staunenden Grenzer, die sich über Bilder vom Schwarzwald freuten.

17 Januar 2018

Klassisch werben und sterben?

Hätte man mir vor zwanzig Jahren gesagt, dass ich freiwillig ein Sachbuch über Marketing lesen würde, hätte ich ihn ausgelacht. Marketing, das war für »die anderen«; als Redakteur interessierte ich mich für Inhalte und nicht deren Vermarktung. Da zog ich eine eindeutige Trennlinie.

Aber das Buch »Digitale Marketing-Evolution« bekam ich geschenkt, und mich interessierte der Inhalt tatsächlich. Übrigens auch wegen des Untertitels: »Wer klassisch wirbt, stirbt« – wenngleich ich von dem ganzen Marketing-Kram nicht viel weiß, ist mir klar, dass die bisherigen Gesetze teilweise einfach nicht mehr gelten.

Heute genügt es nicht mehr, Plakatwände mit irgendwelchem Papier zu bekleben, wenn Millionen von Menschen lieber auf das Display ihres Smartphones gucken und einfach keine Augen mehr für die Plakatwand haben. Ob digitale Werbung allein aber genügt, das konnte bislang keiner beantworten. Warum sonst machen Internet-Seiten, mit denen viel Geld verdient wird, immer noch aufwendige Werbung im Fernsehen?

Das Buch der Autoren Felix und Klaus Holzapfel, Sarah Petifourt und Patrick Dörfler ist dabei teilweise hilfreich. Wer sich noch nie mit digitalem Marketing beschäftigt hat, findet viele interessante Dinge – ich kenne Medienunternehmen, in denen die entscheidenden Personen häufig nicht einmal wissen, was Facebook und Twitter eigentlich sind.

Wer sich allerdings schon lange mit digitalen Themen beschäftigt, wird in dem Sachbuch nicht viele neue Dinge finden. Dass man heutzutage Social Media braucht, sollte langsam jeder verstanden haben. Und dieses »neumodische Internet« wird so schnell nicht mehr weggehen.

Das Problem bei Sachbüchern wie diesem ist: Sie versprechen viel, sie geben aber nicht genug. Nach der Lektüre hatte ich bei vielen Punkten das Gefühl, bereits bekannte Thesen auf großzügig bedruckten Seiten gelesen zu haben. Gleichzeitig fehlten mir Punkte, mit denen ich wirklich hätte arbeiten können.

Marketing hat viel mit Show zu tun, das war schon immer so. Das Buch macht keine Ausnahme: Sein Titel ist die Show, und leider kommt dahinter nicht so viel nach. Schade eigentlich. (Wobei ich sicher bin, dass es haufenweise »Entscheider« gibt, denen schon hülfe, wenn sie nur das wüssten, was in diesem Buch steht.)

Der zweite Streich des neuen »Asterix«-Duos

Ich zähle zu jenen, die in ihrer Kindheit mit »Asterix« konfrontiert wurden und die Abenteuer des kleinen Galliers schon früh liebten. Und ich zähle auch zu jenen, die mit Bedauern zusahen, wie die »Asterix«-Geschichten der neueren Zeit in lahmen Geschichten versackten. Deshalb war ich gespannt darauf, wie das neue Kreativ-Duo den Klassiker neu aufleben lässt.

»Der Papyrus des Cäsar« ist ein schöner Beleg dafür, dass Didier Conrad und Jean-Yves Ferri ihr Handwerk verstehen. Die Genialität der frühen Jahre erwarte ich nicht – so etwas lässt sich nie wiederholen –, aber ich erwarte eine Fortsetzung des Klassikers mit Niveau. Das haben die beiden jetzt geliefert; die Folgebände werde ich mir ebenfalls kaufen.

Die Grundidee ist gut, weil sie ein zeitaktuelles Thema aufgreift: Weil Julius Cäsar ein Buch geschrieben hat, das den großkotzigen Titel »Der Gallische Krieg« trägt, sind die gallischen Krieger um Asterix und Obelix in Aufruhr. Warum? Weil der große Imperator und Feldherr offenbar »Fake News« produziert hat und behauptet, ganz Gallien erobert zu haben. Wie alle wissen, ist das eine Lüge; es gibt schließlich das Dorf der Unbeugsamen.

Asterix und Co. wollen das nicht auf sich sitzen lassen, vor allem, nachdem erste Informationen über das Buch – à la Wikileaks – an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es beginnt eine hektische Auseinandersetzung um Wahrheit und Lüge, um Literatur und Fakten, die streckenweise sehr witzig ist, manchmal auch ein wenig bemüht wirkt.

Immerhin werden auch Römer verprügelt, die Gallier streiten sich untereinander, der Barde nervt. Alle Eckpunkte erfolgreicher »Asterix«-Alben werden ordentlich abgearbeitet, so dass eine gelungene Geschichte erzählt. Da hat Jean-Yves Ferri als Autor sehr vieles sehr richtig gemacht.

Und der Zeichner? Didier Conrad versteht sein Handwerk, in diesem Fall erinnert es sehr an die Klassiker – er liefert, wenn man gemein sein will, eine astreine Kopie ab. Wer »Asterix« mochte oder mag, wird an »Der Papyrus des Cäsar« seine Freude haben.

Das darauf folgende »Asterix«-Abenteuer, das im Herbst 2017 erschienen ist, hat mir übrigens auch gut gefallen. Besprechung folgt bei Gelegenheit …

16 Januar 2018

Stolz und Heimat

Gehe oder fahre ich durch Karlsruhe, fühle ich mich in dieser Stadt daheim. Zwar wohne ich erst seit 1994 hier, aber ich empfinde die Fächerstadt als meine Heimat. Stolz auf Karlsruhe bin ich nicht – ich wüsste nicht, woher dieses Gefühl kommen sollte.

Stolz war ich, als ich im Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse meinen Roman am Messestand von Droemer-Knaur sah. Da glaubte ich es selbst, dass es »Das blutende Land« gab. Ich war so stolz, dass ich fast geplatzt wäre.

Fahre ich eines der Schwarzwaldtäler hoch, fühle ich mich dort immer noch heimelig. Ich sehe die Berge, den dunklen Wald, die schmalen Wege, und ich atme anders. Irgendwie ist der Schwarzwald immer noch meine Heimat – neben Karlsruhe –, obwoh ich vor einem Vierteljahrhundert dort weggezogen bin. Aber stolz auf den Schwarzwald bin ich nicht; ich wüsste nicht, warum ich auf eine Ansammlung von Wald und Berg stolz sein könnte.

Würde ich dieses Jahr in einem Anfall von Wahn beschließen, einen Marathon zu laufen, würde ich fleißig trainieren und es am Ende dann schaffen – dann hätte ich allen Grund, auf diese Leistung stolz zu sein. Ähnliches gilt für andere Leistungen, die man durch Training erreichen kann ...

Aber stolz darauf zu sein, dass man aus einer bestimmten Straße, einem bestimmten Dorf, einem Viertel, einer Stadt, einer Region oder einem Land kommt? Das verstehe ich tatsächlich gar nicht. Ich bin sehr froh darüber, dass ich in einer historisch einmaligen Situation (lange Friedensperiode, wirtschaftlicher Aufschwung und so) aufgewachsen bin und lebe, und ich bin sehr froh darum, dass ich in einer Region lebe, die wirtschaftlich stabil, kulturell reichhaltig (ich gehe in der gleichen Stadt auf Punk-Konzerte, in der ich mich in die Oper schleppen lasse) und landschaftlich schön gelegen ist, zwischen Kraichgau und Pfalz, zwischen Elsass und Rebland, zwischen Vogesen und Schwarzwald.

Ich bin froh, aber nicht stolz. Stolz bin ich auf Dinge, die ich selbst hinbekommen habe. Das sind nicht so viele, aber dafür sind sie eindeutig von mir ...

15 Januar 2018

Eine Portion guter Laune

Es war kalt an diesem Morgen, und ich fühlte mich immer noch nicht richtig fit. Auf dem Weg von der Wohnung zur nächstgelegenen Apotheke – mit kleinem Abstecher zu einem Arzt, um ein entsprechendes Rezept zu erhalten – stapfte ich die Hildapromenade entlang.

Die Bewegung tat mir gut, und weil es so kalt war, hatte ich das Gefühl, die Luft sei gut. (In Karlsruhe ist das ja purer Aberglaube, aber das störte mich in diesem Moment nicht.)

Eine Frau kam mir auf der Straße entgegen. Sie fuhr mit einem Damenrad, sie war »mittleren Alters«, also ein wenig unbestimmt zwischen Mitte vierzig und Ende fünfzig. Sie wirkte ein wenig beleibt und hatte rötliche Locken auf dem Kopf.

Sie fiel mir auf, weil sie beim Strampeln so schaukelte. Es sah als, als ob sie immer noch einmal extra Schwung nehmen müsse. Dadurch erzeugte sie einen Wackeleffekt, den ich sonst in dieser Form selten zu Gesicht bekam. Aber das allein hätte nicht genügt, dass sie mir ins Auge stach.

Sie strahlte vor guter Laune, sie sang vor sich hin, und sie lächelte übers ganze Gesicht. So kam sie mir entgegen, singend, lächelnd und wackelnd, und mir blieb nichts anderes übrig: Ich lächelte auch, wahrscheinlich strahlte ich sogar, weil mich so viel gute Laune an einem grauen Montag einfach begeisterte.

Als sie an mir vorüberstrampelte, winkte sie mir und fuhr weiter, immer noch lächelnd und singend. Das fand ich klasse: eine Person mit positiver Laune, die mich eindeutig ansteckte. Vielleicht konnte aus dieser Woche doch noch etwas werde ...

08 Januar 2018

Demokratie-Informationen im Briefkasten

Seit 1994 wohne ich in Karlsruhe. Ich interessiere mich für Politik, auch wenn ich politikverdrossen bin – das ist bekanntlich kein Gegensatz. Das Aufrechterhalten des Interesses  fällt in Karlsruhe einigermaßen schwer, weil die örtliche Monopolzeitung inhaltlich nicht gerade meine optimale Lektüre darstellt – um es höflich zu sagen. Und die Online-Quellen, die über die Stadt informieren, sind nicht sonderlich zuverlässig.

Man könnte sagen: Ich wohne seit 1994 in einer Stadt, über deren Kommunalpolitik ich nicht viel weiß, über die ich gegebenenfalls aber oft und gern schimpfe. Mir fehlt es am Elan, zu öffentlichen Bürgerversammlungen oder in die ebenfalls öffentliche Gemeinderatssitzung zu gehen – all das trägt dazu bei, dass ich nicht so recht weiß, welche Fraktion im Gemeinderat für welche Themen ist.

(Im »Kurier«, einem der wöchentlichen Gratisblätter, kommen die Gemeinderatsfraktionen zu Wort. Das lese ich dann ab und zu. Immerhin.)

Man könnte sagen, ich habe ein Demokratie-Informations-Defizit, das vor allem durch meine Trägheit ausgelöst wird. Und seit 1994 höre ich von den Parteien eigentlich nur, wenn sie etwas von mir möchten: meine Stimme bei einer Wahl. Dann ist der Briefkasten vollgestopft mit Informationen und politischer Werbung.

Kurz vor dem Jahreswechsel aber steckte eine politische Information im Briefkasten. Zum ersten Mal, seit ich in der Stadt wohne, machte sich eine Gemeinderatsfraktion die Mühe, über ihre ganz normale Arbeit zu informieren. Ich war beeindruckt, damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich überflog den weißblauen Zettel, zerriss ihn und warf ihn weg. Die Nasen der örtlichen AfD-Abgeordneten wolte ich nicht länger als nötig betrachten. Aber wir halten fest: Die einzige Partei, die es in Karlsruhe seit 1994 außerhalb von Wahlkämpfen für nötig gehalten hat, mich als Bürger über ihre Arbeit zu informieren, ist die AfD.

Keine Sorge, ich finde die »Alternative für Deutschland« immer noch widerwärtig, daran ändert ihre angebliche Bürgerinformation nichts. Aber dass ausgerechnet die Rechten das machen, was man von den Demokraten eigentlich erwarten sollte, das stimmt mich dann doch nachdenklich ...

07 Januar 2018

Nach über zwanzig Jahren nun ...

Mag ja sein, dass es ein wenig pubertär klingt – aber ich mag den Spruch immer noch, den ich als »Inhaltsbeschreibung« meiner Radiosendung vor über zwanzig Jahren in die Welt setzte: »Punk und Hardcore aus aller Welt, von 1976 bis heute, möglichst unkommerziell und gegen alles, was gut ist.« So umschrieb ich das ENPUNKT-Radio, dessen erste Probesendung im Frühsommer 1995 lief und das nach dem Juni 1995 regelmäßig »on air« war.

Wenn ich mir vorstelle, dass diese Ära zu Ende geht, wird es doch ein wenig traurig für mich. Aber manche Dinge muss man eben beenden, bevor es nur noch Stress ist. Vielleicht schaffe ich es, in diesem Blog immer mal wieder Geschichten aus der ENPUNKT-Ära zu erzählen. Mehr als zwanzig Jahre sind halt doch eine lange Zeit.

Wobei ich anfangs keine Musiksendung machen wollte. Ich wollte politisches Radio machen, hatte die Vorstellung, Sendungen mit journalistischem Inhalt zu machen, wollte damals etwas zu Ruanda machen oder zu Jugoslawien.
 
Ich bereitete eine Sendung zur Scientology Church vor, die damals nur als Probesendung in einem beschränkten Gebiet zu hören war und für die ich viel Lob bekam. Der Aufwand war tierisch, und ich hatte während der Arbeit an der Sendung beschlossen, dass ich das nicht leisten konnte.

So entstand meine Musiksendung. Bei Punkrock kannte ich mich aus. Von 1995 bis 2005 machte ich jede Woche meine Sendung, danach nur noch einmal im Monat. Ich hatte Bands zu Besuch, Schülerzeitungs-Redakteurinnen kamen vorbei, ich holte Punks von der Straße in die Sendung und hatte viele inhaltliche Streitereien mit der teilweise sehr politischen Querfunk-Redaktion.

Aber es machte doch die meiste Zeit sehr viel Spaß. Weitere Berichte lasse ich folgen ...

06 Januar 2018

Mein Schreibprojekt zum Jahresanfang

Ich kann und darf mich beim besten Willen nicht loben: Die Zeit zwischen den Feiertagen nuzte ich nicht dazu, eigene Geschichten zu schreiben. Wenn ich schrieb und arbeitete, bezog sich das immer auf die Raketenheftchenserie, für die ich als Redakteur tätig bin. Eigene Projekte lagen brach, ich musste schließlich endlich einmal ausschlafen und nutzte die Zeit, eine Reihe von Romanen zu lesen, die sich schon seit langem daheim stapelten.

Aber in diesen Tagen geht es wieder los; ich nehme das Projekt in Angriff, das ich eigentlich im Sommer 2017 starten wollte: Die von mir im Verlauf von vielen Jahren veröffentlichten Fantasy-Geschichten, die in der Welt Magira und dort im Land Clanthon spielen, möchte ich zusammentragen und in ein Buch packen. Der Arbeitstitel ist noch nicht klar, derzeit läuft das Ganze bei mir unter »Ghazir-Buch«.

Wieso das? Weil die Hauptfigur den schönen Namen Ghazir en Dnormest trägt. Es ist der Charakter, den ich in der Fantasy-Welt Magira verkörpere – und das erkläre ich an dieser Stelle nicht ausführlich. Dafür brauche ich mehr Platz und Zeit. Aber es gibt eine Reihe von Geschichten mit dieser Figur.

»Die Jenseitsinsel« ist sogar ein Kurzroman, hat etwa die Länge eines Romanheftes; dazu kommen kürzere und längere Erzählungen, die ich zwischen 1994 und 2014 oder so verfasste. Ich möchte darüber hinaus noch mindestens eine neue Geschichte schreiben und hinzufügen. Und ich schaue mir die alten Fantasy-Geschichten von mir an, ob und wie ich diese nutzen kann.

Es ist kein kleines Projekt, aber eines, auf das ich Lust habe. Und es ist ein Projekt, bei dem mit keinerlei kommerziellem Erfolg zu rechnen ist. Aber darum geht's an dieser Stelle auch nicht ...